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17.05.2022 | Stefanie Starke | Passau.

„Was wäre wenn?“ – Diakonie Passau wünscht sich weniger Selbstverständlichkeit und mehr Wertschätzung

CSU-Abgeordnete tauschen sich zu Sorgen von Wohlfahrtsverbänden aus

„Die Kirchenaustritte treffen auch uns als Diakonie stark“, erläutert Sabine Aschenbrenner, Geschäftsführender Vorstand der Diakonie Passau, in einem Gespräch mit den CSU-Landtagsabgeordneten Walter Taubeneder und Prof. Dr. Gerhard Waschler.

Foto (Stefanie Starke): (v.l.) MdL Walter Taubeneder, Diakonie-Vorstand Sabine Aschenbrenner und MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler.
Die kirchlichen Unruhen und damit verbundenen Austritt und wiederum Steuereinbußen würden sich zwischenzeitlich durchaus auf die Wirtschaftlichkeit der Wohlfahrtsverbände niederschlagen.

„Wir stehen vor schmerzlichen Entscheidungen und müssen voraussichtlich in der sozialen Beratung Stunden abbauen – dies wird vorrangig die Fläche treffen“, so Aschenbrenner weiter. „Für uns ist diese Situation schwer zu kommunizieren und den Menschen zu vermitteln, denn unsere Arbeit wird in der Gesellschaft mittlerweile als Selbstverständlichkeit erachtet.“ Hingegen werde der Leitgedanke hinter der täglichen Arbeit kaum mehr gesehen und rutsche in die Bedeutungslosigkeit ab. „Wir befinden uns in einem starken Spannungsfeld: Arbeiten zwar mit einem diakonischen Profil, sind aber letztlich auch Entgelt-finanziert“, betont Sabine Aschenbrenner. Für die Menschen sei es nicht mehr wichtig, dass hinter den zahlreichen Angeboten und Leistungen die Kirche steht, wie auch bei der Caritas. „Diakonie und Caritas arbeiten eng zusammen – unsere Nöte und Probleme sind dieselben.“ So stellen man sich in beiden Verbänden derzeit die Frage: „Was wäre wenn?“ – „Was wäre, wenn wir als Wohlfahrtsverband nur einen einzigen Tag sagen würde: Wir sind dann mal weg? Wie würde unsere Welt an diesem Tag aussehen? Ohne Pflege, ohne Altenheime, ohne kirchliche Schulen und Kindergärten und ohne sämtliche Beratungs- und Hilfeangebote?“, stellt Aschenbrenner die durchaus provokative Frage in den Raum. 
Die Not sei da, die Wohlfahrtsverbände glücklicherweise auch. „Die Diakonie Passau besteht hier seit dem Jahr 1904 und unser Anspruch ist es grundsätzlich, immer vollumfänglich für die Menschen da zu sein – aber die derzeitige Situation und die Rahmenbedingungen machen es uns immer schwerer.“ Dennoch habe man zuletzt unter großen Herausforderungen einen Krisendienst aufgebaut oder auch einen sogenannten Respect-Coach eingestellt. Vor allem der stetig wachsende bürokratische Aufwand mache dem Wohlfahrtsverband zu schaffen. „Das geht ins uferlose – manchmal wünschten wir uns ein wenig mehr Vertrauen.“
Eine große Aufgabe sei derzeit auch die Begleitung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine und die Zusammenführung mit Flüchtlingen aus anderen Ländern. „Hier kommt es zu teils starken Verhärtungen.“
„Keine Frage, ihrem Wohlfahrtsverband samt allen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Unterstützern gilt es unsere größte Anerkennung auszusprechen“, betont MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler. „Sie alle leisten einen wichtigen Dienst an unserer Gesellschaft“, ergänzt MdL Walter Taubeneder und stellt dabei vor allem die menschliche Nähe und Verbundenheit heraus. „Nicht auszudenken, wie ein Alltag ohne Ihre Arbeit aussehen würde – sie leisten mit Unterstützung der kirchlichen Trägerschaft einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag“, so die CSU-Landtagsabgeordneten abschließend.