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02.05.2019 | Stefanie Starke | Regensburg/Passau.

Auf der Suche nach einem Passauer Modell

CSU-Abgeordnete tauschen sich mit Experten des Universitätsklinikums Regensburg aus

Wie und wenn ja, nach welchem Modell kann die Idee einer medizinischen Fakultät an der Universität Passau in die Realität umgesetzt werden? Dieser Fragestellung gehen die CSU-Abgeordneten Walter Taubeneder und Prof. Dr. Gerhard Waschler derzeit intensiv auf den Grund.


Foto (Stefanie Starke): (v.l.) MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler, Dekan Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert, Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Oliver Kölbl und MdL Walter Taubeneder.
In diesem Zusammenhang stand unter anderem auch ein Besuch des Universitätsklinikums in Regensburg auf dem Programm. „Wie bewerten die Experten der hiesigen Einrichtung das Vorhaben in Passau und auf welche Stolpersteine muss geachtet werden?“, so die Fragestellungen der Abgeordneten. „Jeder will sich weiterentwickeln – das Ansinnen ist legitim. Aber der Unterschied zwischen einem Klinikum und einem Universitätsklinikum ist größer als man denkt und erfordert ein Umdenken aller Beteiligten“, so Prof. Dr. med. Oliver Kölbl, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Regensburg. Universitätskliniken orientieren sich grundsätzlich an Lehre und Forschung. Auch wenn das Regensburger Modell im Rahmen einer universitären Lehre oft als Vorzeigemodell dargestellt werde, auch hier stehe man ständig vor der Herausforderung der Weiterentwicklung. „Mit knapp 900 Betten sind wir noch im Ausbau, das kleinste Universitätsklinikum und daher auch gezwungen, nach wie vor sechs Lehrstühle auszulagern, die letztlich von Kooperationspartnern bedient werden“, so Prof. Kölbl weiter. Dies sei schon alleine von den Wegen her, die man allen zumuten muss, nicht unproblematisch. „Man muss außerdem viel Geld für den Betrieb eines Universitätsklinikums in die Hand nehmen“, betont auch der Dekan der Fakultät für Medizin der Universität Regensburg, Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert. Vor allem die vorzuhaltenden Strukturen seien nur mit großem Aufwand zu gewährleisten. „Hörsäle, Seminarräume, Labore, entsprechende Flächen und vor allem auch attraktive Forschungsbedingungen – Lehre und Forschung kosten Geld und sind sehr aufwendig in der Umsetzung“, merkt Prof. Reichert weiter an. Der Aufwand des Aufbaus und des Erhalts einer Uniklinik sei erheblich. Eine weitere Herausforderung sei sicherlich auch die Gewinnung des entsprechenden hochqualifizierten wissenschaftlichen Personals.
„Die Frage ist immer, welches Ziel verfolgt man mit der Installation einer medizinischen Fakultät?“, hakt sein Kollege Prof. Kölbl nochmals nach. Universität, Klinikum, Stadt – sicherlich habe jeder Mitspieler seine Vorstellungen.
Ein Aspekt sei sicherlich die medizinische Versorgung auf dem Land flächendeckend sicherzustellen, definieren die Abgeordneten eines der Ziele. „Unsere Absolventen sind mehrheitlich Frauen, die später oft nicht den üblich gewachsenen Medizinerweg gehen“, erläutert Prof. Reichert die aktuelle Situation. Die sogenannte Work-Life-Balance habe sich zwischenzeitlich verändert und Medizinabsolventen haben immer weniger Interesse sich hausärztlich niederzulassen – „das wirtschaftliche Risiko ist groß“, ist Prof. Reichert überzeugt. Es sei ein allumfassendes Problem den ländlichen Raum attraktiver zu gestalten, das bekomme man auch in Regensburg zu spüren.
Ziele und Strukturen seien oft sehr unterschiedlich, daher müsse der Weg der Einrichtung einer medizinischen Fakultät in Passau sehr gut überdacht und ausgearbeitet werden. 
Aufgrund des immensen Aufwands sei der Aufbau von vorklinischen Einrichtungen an einem Standort ohne naturwissenschaftlichen Unterbau sehr problematisch. Ähnliche Probleme hätten auch private Anbieter.
Ein „Modell Uniklinik Passau“ mit geeigneten Kooperationspartnern müsse schließlich unabdingbar notwendig durch den Wissenschaftsrat begutachtet und fachlich bewertet werden. Die Umsetzbarkeit sei aber selbst dann von der zur Verfügung stehenden Infrastruktur, den personellen Ressourcen und umfassenden Haushaltsmitteln insgesamt abhängig, so die Regensburger Experten.
Die Abgeordneten werden zur Entwicklung eines „Modells Uniklinik Passau“ unter anderem weitere Vor-Ort-Informationsgespräche in Augsburg, Bayreuth, Erlangen, München und Linz führen.