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20.06.2018 | Daniel Lorenzer | Bad Füssing

Von der Klassensprecherin zur stellvertretenden Ministerpräsidentin

Ilse Aigner auf einem Kurzbesuch zu einem „Nachmit-Talk“ in Bad Füssing

Die Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr Ilse Aigner war zu einem Kurzbesuch in Bad Füssing. Die Ministerin hat in zwei Stunden ein sportliches Programm hingelegt.

Ilse Aigner in Bad Füssing

Auf dem Programm stand ein Besuch auf der A94-Baustelle in Kirchham, eine Oldtimer-Rundfahrt durch Europas größten Kurort, die Besichtigung der Therme-Eins-Bohrstelle, ein Empfang auf dem Kurplatz durch das Jugendblasorchester Bad Füssing und eine Diskussionsrunde im Kurpark sowie ein Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde. Sie folgte damit der Einladung von MdL Walter Taubeneder und dem Vorsitzenden der örtlichen CSU, Daniel Lorenzer.

Bei der Stippvisite auf der A 94-Baustelle in Kirchham informierte sich Aigner über den Fortschritt des Tunnelbaus und die dafür notwendigen sechs Bauabschnitte. Aktuell läuft gerade der Bau der 230 Meter langen Stützwände. Noch 2018 soll außerdem mit dem Tunnel Dock 1 begonnen werden. Die Verkehrsfreigabe ist dabei für 1. Juni 2022 anvisiert.

Für fröhliche Gesichter aller Beteiligten und eine gelungene Überraschung sorgte die von der CSU Bad Füssing organisierte Fahrt im Oldtimerbus der Firma Eichberger Reisen. Die erste Station der Fahrt, mit Chauffeur Manfred Eichberger, sen. höchstpersönlich, stilecht und in Lederhose, führte auf Wunsch der Staatsministerin durch den Ort zur Thermalwasser-Bohrstelle hinter der Therme Eins. Hier machte sie sich mit den Verantwortlichen ein persönliches Bild über die Baustelle als Maßnahme zur Zukunftssicherung des Ortes. War es unter anderem ihr Ministerium, das die Genehmigung zur Baumaßnahme erteilte. In unmittelbarer Nachbarschaft hielt der Bus ein zweites Mal. Bei dem, nach einer Generalsanierung wiedereröffneten Thermalresort Köck, ebenfalls finanziert durch Subventionen vom Freistaat. So konnte sich Ilse Aigner auch hier davon überzeugen, dass die erteilten Gelder zu nachhaltigen Investitionen führen.  

Die nostalgische Kutschierfahrt im gelb-schwarzen Oldtimer-Bus, im 50er Jahre Stil ohne Klimaanlage, dafür mit jeder Menge Charme, führte die Delegation dann zum Kurplatz. Dort wurde die stellvertretende Ministerpräsidentin unter dem Applaus hunderter Gäste, sowie zu Ständchen des Jugendblasorchesters Bad Füssing, begeistert empfangen. Gemeinsam mit den Einheimischen und Urlaubern ging es dann in einem kurzen Spaziergang in den Kurpark zur Freibühne, die eigentlich dem Bad Füssinger Kurorchester, dem letzten noch vorhandenen in Bayern, vorbehalten ist. Hunderte Interessierte warteten auf den abschließenden Programpunkt, einem einstündigen „Nachmit-Talk“. Der lockeren Gesprächsrunde auf der Bühne bei Kaffee und Kuchen wohnten die Ministerin, MdL Walter Taubeneder, der Bad Füssinger CSU-Ortsvorsitzende Daniel Lorenzer, Stephan Meyer, JU-Kreisvorsitzender und Landtagslistenkandidat der CSU sowie der zweiter Bürgermeister Günter Köck, der den Talk moderierte, bei. In der weiteren Folge wohnten dem Talk dann auch noch Bezirksrätin Cornelia Wasner-Sommer sowie Bezirksrat Josef Heisl bei.

Bei sommerlichen 30 Grad im Schatten der Bäume im Kurpark, waren die Themen bei dem unterhaltenden und informativen bayerischen Ratsch unter anderem die Hobbys der Ministerin, der Weg zur Staatsministerin, der Bau der A94, Ausbildungsmaßnahmen im Tourismus und der Gastronomie, Schaffung von Wohnraum, Zukunftschancen von Betrieben im Innenbereich, Brandschutz, neue Technologien, Elektrifizierung der Bahn, Bad Füssing als fahrradfreundliche Region, die Grenzkontrollen auf der A3 bei Pocking sowie die Folgen der Flüchtlingskrise.

Ein Privatleben mit Hobbys gestaltet sich für Ilse Aigner in „überschaubaren Varianten“, dies jedoch mit positivem Ausgang, habe sie schließlich ihr Hobby, die Politik, zum Beruf gemacht. Schon früh im Einsatz als Klassen- und Schülersprecherin hat sie sich für andere stark gemacht. "Ich hab’ halt meine Gosch’n ned halten können", sagt Ilse Aigner augenzwinkernd. Dies wurde auch prompt gewürdigt durch Lachen und Applaus des Publikums. "Mensch, die mag ich", ließ ein Urlauber spontan verlauten.

Zum Bau der A94 ist Ilse Aigner froh, „dass es in weiten Teilen gut vorangegangen ist. Es war ein sehr weiter Weg.“ Sie zeigt Verständnis für diejenigen, die im Sinne des Umweltschutzes um ihre Heimat kämpfen wollen, aber auch für die Menschen, die möglichst unfallfrei und schnell von A nach B kommen wollen. Der bisherige Straßenverlauf sei sehr unfallträchtig gewesen. Und schon deshalb war es „wichtig, die Autobahn auf den Weg zu bekommen.“ Als ehem. Tourismus- und Wirtschaftsministein, war es eine der drängendsten Fragen, was für den Wirtschaftsraum und seine Unternehmen wichtig ist. MdL Walter Taubeneder ergänzte, dass die Natur beim Bau hinreichend berücksichtig werde und alle notwendigen Ausgleichsmaßnahmen geschaffen sind: „Wir haben verantwortungsbewusst gehandelt.“

Zum Engagement in Bad Füssing stellte Günter Köck fest: „Bayern geht’s gut, nicht nur, weil das Bundesland so heißt, sondern weil man hier mit den Menschen über lange Jahre hinweg erfolgreich war, sich was getraut und durchgesetzt hat“ und da sei „eine absolute Mehrheit in jeder Hinsicht dienlich.“ Großes Lob gab es von der Staatsministerin für die „unglaublich gute Entwicklung in Bad Füssing. Es wird in Thermen, Hotels und Infrastruktur investiert und Engagement ist vorhanden.“ Für sie sind auch die verlässlichen Rahmenbedingungen, „dass die Wirtschaft weiß, wohin die Entwicklung geht und sich die Menschen auf die bayerische Politik verlassen können“, wichtig. Menschen sollen ihrer Meinung nach in ihrer Heimat „eine Zukunftsperspektive haben und ihren Wurzeln gerecht werden können.“ Es sei nicht nur der Fleiß, sondern auch die Verwurzelung mit der authentischen und gelebten Tradition, die tief in den Herzen der Menschen ist. „Das macht Bayern und im besonderen Niederbayern aus.“

Zum Thema Wohnraumförderung brachte Daniel Lorenzer den Vorschlag ein, man könne in Anlehnung an das jüngste Wohnbaupaket der Staatsregierung diese „dahingehend weiterentwickeln, in einem nächsten Schritt auch Gewerbebetriebe im Innenbereich zu fördern“. Was Wohnraum betrifft hat „Bad Füssing hier einen Sonderstatus, im Innenbereich kann und darf zum Erhalt des Tourismus kein Gebäude für Wohnraum umfunktioniert werden. Wir brauchen Unterstützung, um Wohnraum außerhalb des Kurgebietes Nord und Süd zu schaffen.“ Die Ministerin kontert damit, dass das besagte Programm hauptsächlich den Innenbereich mit Altbauten betrifft und Fördermittel „hier höher sind als beim Neubau“. Was Betriebe in den Ortskernen betrifft, sollen der Ministerin zufolge, „diese künftig gestärkt werden“. Sie wirbt dafür, dass Innenstädte auch attraktiv bleiben, regt jedoch an, dass dies „auch an jedem einzelnen Bürger liegt, eben das eigene Einkaufsverhalten so zu gestalten, dass wirtschaftlicher Erfolg der Betriebe in Innenbereichen möglich ist.“

Zusammen mit Stefan Meyer, JU-Kreisvorsitzender und Landtagslistenkandidat für die Wahl im Oktober, wurde von den Gastgebern angeregt, in Bad Füssing eine Fachhochschule für Tourismus zu verwirklichen. Laut Meyer ist es „wichtig heimatnah eine Ausbildung machen zu können um die Menschen hier halten zu können. Deshalb wäre es sinnvoll so eine Einrichtung zu schaffen.“ Ilse Aigner: „Hochschuleinrichtungen voranzubringen ist ein wichtiger Punkt.“ Die Ministerin kann sich das grundsätzlich gut vorstellen. Es sei jedoch „immer eine Frage, ob die entsprechend ausreichende Nachfrage der Studierenden gegeben ist“.

In weiterer Folge wurde von Daniel Lorenzer die Unterstützung der Heilbäder angesprochen: „Wir wollen weiterhin großen Handlungsspielraum für unseren Ort, der wirtschaftliche Rückgang durch Wegfall der Kuren ist gegeben. Es gibt derzeit keine nennenswerten Alternativen. Förderung durch beispielsweise Steuersenkung von 19% auf 7% bei Saunen oder Anerkennung als Präventionsmaßnahme, wären eine Idee. Auch vielleicht in der Art, wie bei den Förderprogrammen für Bergbahnen.“ Jedoch ist laut Ilse Aigner das Anpacken der Steuer nicht die beste Option, „weil im Koalitionsvertrag das Thema außen vor ist und zu erwarten ist, wenn an einer Stelle gesenkt wird, wird an einer anderen erhöht. Und das wäre nicht zielführend“ und sie ergänzt, „Wir tun weiter, was wir können, um die Kur- und Heilbäder zu unterstützen. Jeder vierte Urlauber in Bayern ist Gast in den Kur- und Heilbädern. Und, wir werben als Staatsregierung dafür, dass Menschen im eigenen Interesse etwas für sich in Sachen Prävention und Kur machen müssen.“

Zwei Stunden in der Region um Bad Füssing reichten für Ilse Aigner aus, sich einen bleibenden und positiven Eindruck zu verschaffen, was in Niederbayern machbar ist, auch in Zukunft. Sie sparte nicht mit anerkennenden Worten an die Menschen vor Ort, und jene, die als Gäste Urlaub machen. Zum Abschluss gab es noch einen Eintrag ins Goldene Buch, und dann ging es für Ilse Aigner auch schon zu einem weiteren Termin. Für die Gastgeber war es indes möglich, Ideen zu platzieren und Anregungen zu schaffen.