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26.02.2018 | Stefanie Starke | Vilshofen

„Ein Handwerk, das Talent und Präzision erfordert“

MdL Taubeneder besucht Restaurationsbetrieb Kallinger

Es ist ein höchst seltener und gleichzeitig äußerst anspruchsvoller Ausbildungsberuf – die Lehre zum Kirchenmaler und Restaurator.

Foto (Stefanie Starke): Klaus Feilmeier gibt bei einem Besuch von MdL Walter Taubeneder (l.) Einblicke in die Arbeit als Kirchenmaler und Restaurator – mit Lehrling Oleksii Kaliman und Geschäftsführerin Stefanie Stolzlechner.

„Es reicht nicht, als Kind gerne gemalt zu haben, als Kirchenmaler ist eine ganze Portion an Talent von Nöten“, erklärt Stefanie Stolzlechner. Die 39-Jährige, selbst gelernte Restauratorin, hat vor nunmehr drei Jahren den väterlichen Betrieb mit insgesamt 16 Mitarbeitern in Vilshofen übernommen, darunter auch zwei Lehrlinge – „und es ist immer noch jeden Tag eine Herausforderung, schließlich habe ich eine ganze Menge Verantwortung zu tragen“, erklärt sie bei einem Besuch von MdL Walter Taubeneder. Der Landtagsabgeordnete hat die bayernweite Woche der Ausbildung (vom 26. Februar bis 4. März 2018) zum Anlass genommen, um auch außergewöhnliche Lehrberufe in Augenschein zu nehmen. „Gerade bei uns in Bayern nimmt die Kirchenmalerei einen besonderen Stellenwert ein“, zeigt sich MdL Taubeneder voller Erwartung – und diese sollte nicht enttäuscht werden! So konnte der Abgeordnete am Ende des Tages den Experten sogar bei der Verarbeitung von feinstem Blattgold über die Schulter blicken.

Aber der Reihe nach: Oleksii Kaliman ist 24 Jahre und mittlerweile im dritten Lehrjahr. „Im Juli steht die Gesellenprüfung an und natürlich bin ich aufgeregt, aber auch guter Dinge“, erklärt der Lehrling aus der Ukraine, der schon in seiner Heimat Kunst und Design studiert hat und bereits seit einigen Jahren in Passau lebt – „die künstlerische Grundausbildung ist natürlich Gold wert für mich.“ Im Restaurationsbetrieb Kallinger in Vilshofen ist er mehr durch Zufall gelandet. „Ich wollte mein Interesse für Kunstgeschichte und die Malerei verbinden. Mein Papa hat den Betrieb dann im Internet gefunden.“ Für Inhaberin Stefanie Stolzlechner ist Oleksii ein echter Gewinn, schließlich werde es immer schwieriger engagierte und talentierte Lehrlinge zu bekommen – „selbst mit Talent sind noch Jahre an Erfahrung nötig.“ Das weiß auch Mitarbeiter Klaus Feilmeier. Der 53-Jährige hat schon mit 15 Jahren seine Lehre beim Restaurationsbetrieb Kallinger gemacht: „Ich erinnere mich noch gut zurück: Ich wollte mehr als ein einfacher Maler werden:“ Nach über 40 Jahren Berufserfahrung gehört er zu den absoluten Experten in Sachen Kirchenmalerei, Altar-Marmorierung, Maserierung und Holzgestaltung. Dabei ist sein Handwerk in erster Linie von großer Geduld und viel Ausdauer geprägt. „Teilweise hängt man Tage und Wochen mit dem Kopf im Nacken auf dem Baugerüst, dann steht man wieder in der Werkstatt – in jedem Fall ist sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt“, schildert Feilmeier seinen Alltag und zieht ein feines Paper Blattgold aus der Dose und demonstriert sein Können: „Es darf kein Lüftchen wehen, das Blattgold ist lediglich 1:9000 Millimeter dick – man kann praktisch hindurchsehen.“

Ob das Restaurieren einer Kirchenfigur, das Bemalen einer Wandvertäfelung, die Instandsetzung von Holzarbeiten – jede Arbeit basiere auf anderen Techniken und Prozessen. „Feilen, leimen, malen, vergolden – es ist sehr vielfältig.“
Oleksii Kaliman weiß, dass er noch eine Menge zu lernen hat, besonders gern gibt er sich allem hin, was mit der Malerei zu tun hat: „Manchmal denke ich das Werk ist fertig, dann lasse ich es ein, zwei Tage stehen und plötzlich ziehe ich doch noch einige Striche.“ Geschäftsinhaberin Stefanie Stolzlechner sei guter Dinge, was die Gesellenprüfung ihres Schützlings betreffe – „das wird er schon packen!“ Für den jungen Ukrainer steht jedenfalls fest, wenn er die Möglichkeit hat, dann will er der Firma Kallinger in jedem Fall treu bleiben.