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15.11.2017 | Stefanie Starke | Niederbayern

„Wir können mit einem hohen Lebensstandard punkten“

CSU-Abgeordnete tauschen sich zu ambulanter medizinischer Versorgung aus

„Wir haben viele Ärzte die kurz vor dem Erreichen der Altersgrenze stehen und nachfolgende Ärzte sind rar und zu einem sehr hohen Prozentsatz Frauen“, erklärt Dr. Ludwig Weber, Ärztlicher Leiter im Krankenhaus Vilshofen, in einem Gespräch mit den Abgeordneten Walter Taubeneder und Dr. Gerhard Waschler.



(v.l.) MdL Dr. Gerhard Waschler, Dr. Ludwig Weber und MdL Walter Taubeneder. (Foto: Stefanie Stake)

Innerhalb der Ärztelandschaft stehe ein Generationenwechsel bevor und diese Entwicklung beschreibt Weber als problematisch: „Frauen wollen meist Teilzeitstellen besetzen und wenn wir Ärztinnen und Ärzte hier in der Region wollen, dann müssen auch die entsprechenden Stellen für ihre Lebenspartner vorhanden sein – auch daran scheitert es.“ Über kurz oder lang werde dies die Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung immer schwieriger gestalten – „noch ist die Versorgungssituation in Bayern insgesamt als gut einzuschätzen, wo bei man auch sagen muss, dass die Dichte an Ärzten auf dem Land natürlich eine andere als in der Stadt ist“, erklärt der Mediziner – geplant ist die Einrichtung sogenannter Bereitschaftsdienstpraxen im ländlichen Raum, angesiedelt am jeweiligen Klinikum oder Krankenhaus. „Am Klinikum Passau gibt es bereits eine, weitere werden Anfang 2018 nach Freyung, Rotthalmünster und Vilshofen kommen.“
In der Landeshauptstadt wird mit dem System der Bereitschaftsdienstpraxen bereits gearbeitet – dort erfolgreich. Die Bereitschaftsdienstpraxen haben stets außerhalb der üblichen Praxiszeiten geöffnet – vorrangig am Wochenende. „Alle Ärzte aus dem entsprechenden Einzugsgebiet wechseln sich dann ab und besetzen die entsprechende Bereitschaftspraxis – eine fixe Anlaufstelle für Patienten. Gleichzeitig wird das jeweilige Krankenhaus im Bereich der hausärztlichen Angelegenheiten entlastet“, so Weber.

Langfristig müssen Standorte nachbesetzt werden – nur wie?

„Wo kriegen wir die Leute her? Darüber müssen wir uns ernsthaft Gedanken machen“, wirft Dr. Ludwig Weber in den Raum und verweist auf Aktionsprogramme, um Ärzte im ländliche Raum zu halten – „Es muss unser Ziel sein, Ärzte aus der Region auch tatsächlich hier zu halten.“
Die Problematik ist den Mandatsträgern bekannt. „Wir müssen schon in den Schulen und Universitäten ansetzen und stets die Vorzüge unserer Region herausarbeiten“, so MdL Waschler, in seiner Funktion als bildungspolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion. Förderprogramme und Konzepte, um Ärzte im ländlichen Raum zu binden würden oft zu spät greifen. „Es gibt gute Ansätze, aber letztlich haben diese noch nicht gefruchtet“, so Weber gegenüber den Abgeordneten. „Wir können hier mit einer sehr hohen Lebensqualität punkten und diese müssen wir an den Mann und die Frau bringen“, so die Meinung von MdL Taubeneder. Der Charme der Region müsse dargestellt werden – „wir haben was zu bieten und dies eingebettet in ein Gesamtpaket müsse entsprechend vermarktet werden“, so die Abgeordneten.

In diesem Zusammenhang unterstreichen die Abgeordneten zudem die Bedeutung einer zusätzlichen Bereitschaftspraxis für den Wegscheider Raum: „Im Sinne der Zielsetzung einer Schaffung von gleichwertigen Lebensbedingungen schließen wir uns ausdrücklich der Kreistags-Resolution des Landkreises Passau an, die eine weitere Bereitschaftspraxis für den Krankenhausstandort Wegscheid fordert“, so die Abgeordneten. Nur so könne die ärztliche Versorgung langfristig sichergestellt werden.