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Aktuelles

19.09.2022 | Lindmeier | Eglsee.

Die Wasserkraft in Bayern ist ein wichtiger Energieträger – ist sauber und umweltfreundlich und gewähre Versorgungssicherheit und Netzstabilität.

Derzeit gibt es rund 4.200 Wasserkraftanlagen in Bayern.

Foto:Lindmeier

Nachdem das ursprüngliche Vorhaben der Bundesregierung, neuen und modernisierten Wasserkraftanlagen bis 500 Kilowatt Leistung keine Einspeisevergütung mehr zukommen zu lassen, erfreulicherweise abgewendet werden konnte, wollte der Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke auf Initiative von MdL Walter Taubeneder mit den Betreiber dieser „kleineren“ Wasserkraftanlagen die weiteren Herausforderungen der Wasserkraft diskutieren.

von Markus Lindmeier

Im Rahmen einer Veranstaltung, die im Dorfstadl in Eglsee stattfand, erwartete die Teilnehmer dieser Gesprächsrunde einmal eine politische Sachstandseinordnung durch MdL Walter Taubeneder und zum anderen ein Fachvortrag von Dipl.Ing. Otto Mitterfelner, Vorstandsvorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Wasserkraftwerke eG und Beiratsmitglied der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern.
MdL Walter Taubeneder stellte in seinen einleitenden Worten fest, dass die Wasserkraft in Bayern ein wichtiger Energieträger sei. Die derzeit gut 4.200 Wasserkraftanlagen lieferten 2020 insgesamt 11,1 Terrawattstunden Strom. Nur die Photovoltaikanlagen lieferten mit 13 TWh mehr erneuerbare Energie. Weiter erklärte Taubeneder, dass die Wasserkraft zuverlässig und ganzjährig Strom erzeuge – und das Tag und Nacht und witterungsunabhängig. Die Wasserkraft stelle deshalb einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit und Netzstabilität dar. Weiter informierte der Landtagsabgeordnete über die Bayerischen Förderprogramme für Wasserkraftanlagen.
Diese kleinen Wasserkraftanlagen sind zudem auch Traditionsbetriebe, die seit rund 100 Jahren dezentrale Anwesen und Betriebe wie Sägen, Mühlen u.ä. versorgen. Als eine erfolgreiche Initiative der CSU wertete Taubeneder die aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen.  So bleibt die EEG-Förderung für kleine Wasserkraftanlagen erhalten und die Errichtung und der Betriebe dieser Anlagen liegen künftig im überragenden öffentlichen Interesse. Weitere Forderungen Bayerns zur Unterstützung der Wasserkraft sind höhere Vergütungen für Anlagen bis 100 Kilowatt, die Abschaffung der Degression bei der Vergütung und die Absenkung der Förderschwelle für die große Wasserkraft, so MdL Walter Taubeneder.

Die Grüße der Marktgemeinde Ruhstorf überbrachte deren 2. Bürgermeister Gerhard Kubitschek.

Die Nutzung der Wasserkraft / Mühle wurde bereits 1696 urkundlich erwähnt, sagte Dipl.Ing. Otto Mitterfelner zu Beginn seines Vortrages.
Aber bereits die Römer benutzten die Wasserkraft  für Getreidemühlen und zum Sägen von Steinplatten.
Weiter befasste sich Mitterfelner mit den von der derzeitigen Regierung geplanten Vorhaben. Man wollte die EEG-Förderung für Wasserkraftanlagen (kleiner 500 kW) abschaffen. Die Kleine Wasserkraft wäre nicht im übergeordneten öffentlichen Interesse - die Windkraft schon, hieß es. Davon wären etwa 3.900 Wasserkraftanlagen (von 4.200) in Bayern betroffen gewesen.
Es wurde argumentiert, dass die Kleine Wasserkraft in Deutschland (also auch das flache Norddeutschland) nur ca. drei bis vier Prozent zur Stromproduktion pro Jahr beitrage und zudem negative ökologische Auswirkungen habe. Insbesondere die freie Durchgängigkeit sollte wiederhergestellt werden. Aber die Wasserkraft hat in Bayern einen wichtigen Anteil für die gesicherte Stromerzeugung, betonte Mitterfelner. Sie hat einen Anteil von ca. 17 Prozent an der Bayerischen Stromerzeugung. 31 Prozent an dem Anteil Erneuerbare, und sogar 56 Prozent Anteil an Erneuerbar + versorgungssicher. Mit dem Wegfall der Kernenergie wird der Anteil auf ca. 23 Prozent  steigen. - Bayern wird ca. 40 Prozent des Stroms importieren müssen, meinte Mitterfelner.
Es muss auch beachtet werden, dass nicht der Durchschnittswert über das ganze Jahr zählt, sondern der Bedarf zu Spitzenzeiten. Ohne Wind und Sonne ist die Wasserkraft und Biogas die wesentliche Stütze.
Die Kleine Wasserkraft schaffe auch viele Arbeitsplätze, argumentierte Mittelfelner. Ohne den günstigen Wasserkraft-Strom wären viele Betriebe wirtschaftlich nicht möglich, z. B. Mühlen und Sägewerke. Dahinter sind viele andere Betriebe ganz oder teilweise an der Wasserkraft angebunden.
Die Kleine Wasserkraft leistet einen wesentlichen Beitrag zur Netzstabilität und zur Versorgungssicherheit. Vielen ist das nicht bewusst, solange der Strom aus der Steckdose kommt. Der Strom muss in der Sekunde erzeugt werden, in der er verbraucht wird. Er wird nicht im Netz oder in den Leitungen gespeichert, wie manchmal behauptet wird. Die gesicherte Leistung zusammen mit den anderen Energien garantieren eine Stromversorgung rund um die Uhr, Sommer wie Winter, so Mitterfelner. Weiter befasste er sich mit der Momentanreserve und der Spannungsqualität sowie der positiven und negativen Regelleistung.
Einzelne Anlagen sind sogar schwarzstartfähig, sagte er, d.h., dass nach einem Netzausfall ein Inselbetrieb gefahren werden kann. Weiter nahm er zur Durchgängigkeit Stellung. 1925 gab es fast 12.000 Wasserkraftanlagen in Bayern, ohne Durchgängigkeit. Damals gab es viele Fische und viele Fischarten. Heute sind es nur 4.200 Wasserkraftwerke, davon ca. 3.900 (kleiner als 500 kW). In Bayern gibt es laut WWF heute mehr als 56.000 Querbauwerke, die das freie Wandern der Fische verhindern. Davon sind aber nur 4.200 Wasserkraftwerke, und von diesen hat ein Großteil bereits eine Fischpassanlage. Die Kleine Wasserkraft soll weg, um die Durchgängigkeit wieder herzustellen. Das werfe Fragen auf, meinte Mitterfelner. Am Beispiel Landkreis Dingolfing teilte er mit, dass es dort 43 Kleine Wasserkraftanlagen gebe. Davon haben nur drei keinen Fischaufstieg - weil technisch nicht möglich, oder ökologisch nicht sinnvoll. Diese Tatsache wiederspreche der Behauptung des Deutschen Angelfischerverbandes, wonach nur eine Handvoll der über 8000 Wasserkraftanlagen  über funktionierende Fischaufstiegsanlagen oder einen technisch machbaren Fischschutz beim Fischabstieg verfüge. Nur die sehr kleinen Anlagen haben bisher aus wirtschaftlichen Gründen keine Fischpassanlage gebaut. Die übrigen Querbauwerke (und auch Längsbauwerke / Hochwasserdämme) sind im Besitz und in der Verantwortung des Freistaates Bayern.
Die Betreiber sind übrigens verpflichtet, oberhalb und unterhalb der Anlage den Fluss in Ordnung zu halten. Das würde dann wohl auch entfallen, und der Staat bzw. die Gemeinschaft müsste dafür aufkommen. Am Wasserkraftwerk finde man auch viele unterschiedliche Lebensräume z. B. an den Fischpassanlagen, am Unterwasser und am Hochwasserkanal entstehen Artenvielfalt (Bio-Diversität), durch vielfältige abwechslungsreiche Lebensräume im und am Wasser / Altwasser, im Staubereich, in den Auen: Da ist tiefes Wasser im Kolk und daneben Flachwasser; starke Strömung und schwache Strömung wechseln sich ab.
Ein Rückbau der Anlagen wäre auch nicht so ohne weiteres möglich. Man kann nicht einfach die Schleuse aufmachen und die Turbine abschalten. Bei einem Hochwasser fehle aber die Schleuse und der Betreiber, der die Schleuse öffnet. Also wird man hier eine Überschwemmung haben. Teilweise wird behauptet, man kann die Kleine Wasserkraft einfach durch PV und Speicher ersetzen.
Für dieses Wasserkraftwerk bräuchte man einmal viel Freifläche und zudem wäre eine große Kapazität an Speicher erforderlich. Wenn man weniger Speicher habe, müsse man ein Gaskraftwerk (Gas aus Russland oder Katar), Braunkohlekraftwerk (Polen), Kernkraftwerk (Ukraine oder Tschechien), oder Pumpspeicherkraftwerke (Österreich, Norwegen) als Notreserve vorhalten. Das gleiche gelte auch für die Windkraft. Mitterfelner nannte hier rund 70 Stück zusätzliche rund 250 m hohen Anlagen als Ersatz für die Kleine Wasserkraft. Ein Ersatz der vorhandenen Kleinen Wasserkraftanlagen durch neu zu bauende Photovoltaik  und Windkraft und riesige Batterie-Speicher sei schwer vorstellbar, meinte er. Mitterfelner war überzeugt davon, dass es nur mit einem Energiemix aus PV, Wind, Biomasse, Erdwärme und Wasserkraft funktioniere, die Klimaziele zu erreichen.
Wir brauchen jede kWh, die zuverlässig und planbar ist. Das sei eben bei den Erneuerbaren derzeit Biogas und Wasserkraft.

Weiter ging er auf die Wasserqualität und die Fischbestände ein.“Zu meiner Kindheit gab es hier keinen Waller, aber jede Menge Rotaugen und Aitel und übrigens auch die schwarzen Blässhühner, Wildenten und den Eisvogel“, berichtete er. Zudem gebe es viele andere Einflüsse, z. B. die Medikamente aus bzw. durch Kläranlagen wie Betablocker, die Anti-Baby-Pille (Fische verweiblichen), Paracetamol (Nierenschäden bei Fischen), Diclofenac (Nierenschäden bei Forellen), Antibiotika  (resistente Keime), Nikotin und Mikroplastik. Auch der Reifenabrieb (Antioxidationsmittel 6PPD) sei nicht zu unterschätzen und sei tödlich für Salmoniden. All das komme als Abwasser in die Kläranlage. Viele Rückstände können nicht in der Kläranlage abgebaut oder ausgefiltert werden und gehen so in die Fließgewässer. Auch viele natürliche vorkommende Arten wie der Fischotter, der Kormoran oder der Gänsesäger setzen den Fischbeständen entsprechend zu. Aber auch invasive Arten wie der Blaubandbärbling (aus China) oder der Signalkrebs (aus Nordamerika) setzen unseren heimischen Fischen zu. Auch die Dreikantmuschel schädigt unsere einheimische Muscheln.

Nach seinem interessanten Vortrag konnte Dipl.Ing. Mitterfelner an die Gesprächsteilnehmer noch ein infoblatt mit „10 guten Gründen für die Wasserkraft“ verteilen.

In der anschließenden Diskussion wurden noch Themen behandelt, die eben die Betreiber dieser kleinen Wasserkraftanlagen mehr oder weniger auf den Nägeln brennen. Neben Otto Mitterfelner, Vorstand beim Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke konnten auch Heinrich Brandl, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke und Bernhard Krug, ebenfalls Vorstand beim Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke Rede und Antwort stehen.

Text zum Bild:
Die Betreiber der kleinen Wasserkraftanlagen diskutierten gemeinsam mit Politikern und Fachleuten vom Landesverband Bayerischer Wasserkraftanlagen über weitere künftige Herausforderungen. In einem interessanten Fachvortrag behandelte Dipl.Ing. Otto Mitterfelner (3.v.l.), Vorstandsmitglied des Landesverbandes Bayerischer Wasserkraftwerke viele Themen, die eben  den Betreibern dieser kleinen Wasserkraftanlagen mehr oder weniger auf den Nägeln brennen. Weiter auf dem Bild (von links) Ruhstorfs 2. Bürgermeister Gerhard Kubitschek, Heinrich Brandl, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke, MdL Walter Taubeneder, Markträtin und Wasserkraftwerksbetreiberin Martina Hösl und Bernhard Krug, Vorstand beim Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke. Foto: Lindmeier